Chronik des TSV Schöppenstedt

Vorwort des Autors

Liebe Freundinnen und Freunde des Sports,

es ist gar nicht so einfach, eine Chronik zu schreiben, wenn nur wenige Unterlagen vorhanden sind. So habe ich nach bestem Wissen und Gewissen diese Zeilen zu Papier gebracht. Dabei hege ich die Hoffnung, dass sich vielleicht der eine oder andere Leser an alte Dokumentationen, die sich in seinem Besitz befinden, erinnern wird und sie dem Vorstand des TSV zur Verfügung stellen kann. Wir wären sehr dankbar dafür.

Herbert Michehl

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Der Anfang

Die Geschichte des TSV beginnt im Jahre 1848, als sich einige sportbegeisterte junge Männer zusammenfanden, um einen Turnverein ins Leben zu rufen. Leider wurde ihr Vorhaben von den damaligen Stadtvätern oder von denen, die damals das Sagen hatten, immer wieder unterbunden, weil man eine revolutionäre Vereinigung dahinter vermutete.

Nun hatte der preußische König bereits 1842 Leibesübungen als einen notwendigen und unentbehrlichen Bestandteil der männlichen Erziehung in aller Förmlichkeit anerkannt und zu einem Volkserziehungsmittel bestimmt, so dass die "Turnsperre" in Preußen und bald auch in den anderen deutschen Staaten aufgehoben wurde. Dadurch ermutigt, ließen sich die jungen Leute nicht von ihrem Vorhaben abbringen und versuchten immer wieder, einen Turnverein mit einem Vorstand und regelmäßigen Trainingszeiten ins Leben zu rufen.

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Turner als Feuerwehr

Die Schar der Anhänger des Turnsports wurde von Jahr zu Jahr größer, so dass im Jahre 1861 die Stadtväter eine endgültige und offizielle Gründung eines Männerturnvereines nicht mehr verhindern konnten. Bereits im Jahr 1865 wurde aus dem Kreis der Turner des MTV Schöppenstedt eine "Turnerwehr" gegründet, eine Vorgängerin der heutigen Freiwilligen Feuerwehr. Interessant ist dabei zu wissen, dass der damalige Bürgermeister der Stadt Schöppenstedt die Turner des MTV zu der Gründung dieser Turnerwehr aufgerufen hatte. Die Freiwillige Feuerwehr Schöppenstedt ist demnach aus dem Männerturnverein Schöppenstedt hervorgegangen, der wiederum der Vorgänger des heutigen TSV war.

Aus dem Jahr 1955 stammt die Aussage des Schneidermeisters Albert Herbst, der damals mit 89 Jahren der älteste Turner der Stadt Schöppenstedt war, dass anfangs die Übungsabende mangels Turnhalle oder Sportplatz im Zollgarten stattfanden, dem Kaffeegarten der Gaststätte "Zum Zoll". Als Turngeräte standen ein Reck, ein Barren und ein Pferd zur Verfügung. Für die Schwerathleten gab es zum Üben Hanteln mit 25, 50 und 75 Pfund Gewicht, für die Leichtathleten einen 33,5 Pfund schweren Stein anstelle einer Kugel. Die Turnabende wurden von 25 bis 30 jungen Turnern regelmäßig besucht.

Jährlich nahmen die Turner auch an den Elmwettkämpfen teil. Die Geräte mussten mit einem Pferdefuhrwerk zum Tetzelstein transportiert werden.

Bei der Gedenkfeier an jedem 2. September fand ein sportlicher Wettkampf auf dem Schützenplatz statt. Die ersten drei Sieger erhielten als Preis schmucke Stammschoppen in verschiedenen Größen. Auch unser schon zitierter Schneidermeister Albert Herbst hatte einmal das Glück, seinen alten Rivalen Heinrich Röpke in der Punktwertung zu überflügeln und den ersten Preis zu erringen. Bei der Preisverteilung musste er aber feststellen, dass der erste Preis gegen den zweiten ausgetauscht worden war, so dass er wiederum nur den zweiten Preisschoppen erhielt.

Nach dem Ersten Weltkrieg kaufte der MTV Ländereien neben dem nahe gelegenen Schützenplatz und richtete darauf in Eigenarbeit einen Sportplatz her, was einige junge Männer auf den Gedanken brachte, nun auch Fußball spielen zu wollen. Bei den Versammlungen gab es harte Auseinandersetzungen um die Gründung einer Fußballabteilung. Der überalterte Vorstand lehnte dieses Vorhaben aber einfach ab.

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Fußballer gehen eigene Wege

Als Folge fanden sich Fußballfreunde zusammen, die einen neuen Sportverein gründeten, nämlich den Schöppenstedter Sportverein von 1919 (SSV von 1919). Wiesen und Stoppelfelder dienten ihnen als Fußballplatz bis zur Fertigstellung des Sportplatzes "Hinter der Bahn", auf dem sich heute die Tennisanlage des TSV befindet. Der Platz konnte aber nur im Sommer benutzt werden, da er zu anderen Zeiten häufig von Hochwasser überflutet wurde.

Zwar wurde im SSV vorwiegend Fußball gespielt, doch gab es auch Abteilungen für Leichtathletik und Turnen. So ist es nicht verwunderlich, dass aus dem SSV auch gute Leichtathleten hervorgingen. Der SSV beteiligte sich an den Norddeutschen Jugendmeisterschaften, so zum Beispiel mit dem 3000-Meter-Läufer Ernst Fricke (dem ehemaligen Präsidenten von Eintracht Braunschweig), den Gebrüdern Weigel als 100-Meter-Sprinter, die die Strecke in 11 Sekunden liefen, und dem Hochspringer Willi Blumenberg, der die damals beachtliche Höhe von 1,74 m übersprang.

In den zwanziger Jahren begann auch der MTV, Fußballmannschaften aufzustellen. Die Spieler wechselten nun von einem zum anderen Verein und zurück. Da diese ständige Fluktuation die Spielstärke beider Vereine schwächte, vereinbarten die Vorstände untereinander, dass jeder Spieler den Verein nur zweimal wechseln durfte.

Der SSV von 1919 schaffte es schon 1926, in die damalige Bezirksklasse aufzusteigen.

Auch die Jugendmannschaften erwiesen sich in jenen Jahren als beachtliche Gegner; sie spielten bereits damals in den höchsten Spielklassen. Im Jahre 1930 wurde allerdings die 1. Herrenmannschaft des SSV wieder in die Kreisklasse zurückgestuft. Spielermangel war der Grund. Aber schon ein Jahr später stieg man wieder in die Bezirksklasse auf.

Während der Jahre des Zweiten Weltkrieges war der SSV von 1919 einer der wenigen Vereine, die den Spielbetrieb aufrechterhalten konnten, wenn auch manchmal nur mit zehn Spielern.

Auch die Turner des MTV machten von sich reden. So gehörte der heute 88jährige Kaufmann Wilhelm Blume über mehrere Jahre der deutschen Turner-Nationalmannschaft an und nahm mit dieser teil an den Olympischen Spielen 1936 in Berlin.

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"Zwangs"-Wiedervereinigung

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges warteten die Vereine darauf, wieder Sport treiben zu können. Im Dezember 1946 war es dann soweit. Die Militärregierung hatte allerdings angeordnet, dass in Schöppenstedt nur ein Verein zugelassen wurde. Der damalige und letzte 1. Vorsitzende des SSV von 1919, Fritz Gold, berief am 23. 12. 1946 eine Versammlung ein in der Gastwirtschaft "Zur Deutsche Eiche" bei Willi Jacobs, zu der auch der Vorstand und die Mitglieder des MTV eingeladen worden waren. Achtzig (!) sportbegeisterte Mitglieder beider Vereine nahmen an dieser Versammlung teil und gründeten den "Neuen Sportverein", sprich den Turn- und Sportverein (TSV) Schöppenstedt. Als Vereinsfarbe wurde Grün-Weiß-Rot gewählt; Rot-Weiß aus den Farben des MTV, Grün-Weiß aus denen des SSV.

Fritz Gold wurde 1. Vorsitzender des TSV, Heini Eickhoff wurde Hauptsportwart und Wilhelm Herbst Hauptjungendwart. Diese drei Vorstandsmitglieder mussten allerdings noch von der Militärregierung überprüft und bestätigt werden. Paul Schmidt wurde 2. Vorsitzender, Erich Köchy 1. Kassierer, Arno Ruhe 2. Kassierer, Rudi Geyer wurde Schriftführer, Walter Cruse Ballwart und Hermann Thiele Gerätewart. In dem neuen Verein sollten unter Obmann Hans Erhard Leichtathletik und unter Obmann Walter Rabe Geräteturnen betrieben werden. Unter Obmann Erich Debert sollte Fußball gespielt werden. Außerdem waren Gymnastik, Handball für Männer und Frauen, Schwimmen, Kegeln und Tischtennis vorgesehen. Als Betreuer der Fußballjugend wurde Heinz Basemann gewählt, als Leiterin der Damenabteilung Frau Blume.

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Schnell erfolgreich

Der neue Verein hatte einen schnellen Aufstieg; sportlich ging es in allen Abteilungen gut voran.

Die erste Fußballmannschaft spielte bald wieder in der Bezirksklasse (zur Zeit spielt sie in der Bezirksliga und hält dort einen Spitzenplatz). Weitere Fußballmannschaften nahmen am Punktspielbetrieb teil. Auch die Fußballsonderjugend galt im Bezirk als beachtlicher Gegner. Leider gibt es im Jubiläumsjahr keine A-Jugend mehr. Von den Schüler- und Knabenmannschaften wurden viele Kreismeisterschaften und Pokalsiege errungen. Auch heute sind die Jugendmannschaften der Fußballabteilung im Kreis Wolfenbüttel führend.

In den fünfziger Jahren errangen die Geräteturner große Erfolge. Die Kreisriege bestand über mehrere Jahre hinweg überwiegend aus Schöppenstedter Turnerinnen und Turnern.

Nach seiner Neugründung hatte der TSV sechs Jahre lang zwei Herren-, eine Jugend- und eine Damenhandballmannschaft. Danach kam das Handballspiel zum Erliegen. Dem Sportfreund Günter Dreßler ist es zu verdanken, dass diese Disziplin in den siebziger Jahren neue Blüte erlangte. Heute spielt die 1. Herrenmannschaft wieder in der Bezirksliga, und eine gute Jugendarbeit garantiert den weiteren Erhalt der Handballabteilung.

Einen großen Erfolg errang die Tischtennisabteilung, die dem TSV Schöppenstedt 1954 drei Deutsche-Meister-Titel einbrachte. Oda und Gerda Mielenhausen wurden Deutsche Meister im Doppel. Oda Mielenhausen errang außerdem noch die Deutsche Meisterschaft im Einzel.

Auch die Leichtathletik war 1954 erfolgreich: Dieter Krake wurde deutscher Jugendmeister im Hochsprung. Er übersprang die damals beachtliche Höhe von 1,97 m.

Sportliches Kegeln und Schwimmen werden heute im TSV nicht mehr ausgeübt. Dafür ist 1986 eine Tennisabteilung hinzugekommen, die 1988 drei neue Plätze und 1996 ein eigenes Tennisheim bekam, außerdem werden Volkstanz, Volleyball, Kinderturnen, Seniorenturnen und Mutter- und Kindturnen angeboten.

Am 31. August 1973 wurde die Turnabteilung des TSV mit dem Walter-Kolb-Schild ausgezeichnet, am 25. Mai 1986 erhielt der TSV die Sportplakette des Bundespräsidenten für hervorragende Breitensportarbeit. Überreicht wurde die Plakette von dem Oberkreisdirektor, Dr. Hartmut Koneffke, während des Volksfestes in Schöppenstedt. Die Fußballabteilung wurde am 28. Februar 1997 bei der Jahreshauptversammlung vom Niedersächsischen Fußballverband für 75 Jahre Fußball im TSV Schöppenstedt mit einem Silberteller geehrt.

Zweiundvierzig Jahre lang veranstaltete der TSV während der Sommerferien Zeltlager für Jugendliche in Travemünde, an denen im Laufe der Zeit Hunderte von Kindern teilnahmen. 1990 fand das letzte Sommerzeltlager statt. Aus verschiedenen Gründen musste diese Idee aufgegeben werden.

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