Die Geschichte der Turner

Kriegsende 1945. Wir begannen in fast allen Bereichen bei Null.

Die beiden Schöppenstedter Sportvereine, SSV und MTV, wurden nach den Bestimmungen der Britischen Militärregierung in einem Verein zusammengefasst, dem heutigen TSV.

Wir besaßen unseren Sportplatz und die Turnhalle an der Wallpforte. Der Platz konnte sofort wieder benutzt werden. In der Turnhalle aber sah es schlimm aus. Den Hallenboden bedeckte zwar noch die Sägespäne. Sie hatte im Laufe der Zeit eine Stärke von 50 cm erreicht und bildete eine Unterlage, die Verletzungen weitgehend verhinderte, die Sprungkraft außerordentlich stärkte und die Ehefrauen und Mütter beim Waschen der Sportkleidung schier verzweifeln ließ. Doch viele der kleinen Fensterscheiben in den großen gusseisernen Rahmen waren zerbrochen. Unmengen spitzer, scharfer Splitter lagen in der Halle, zumeist in der Lohe versteckt.

Schwieriger Neuanfang

Alle Geräte waren noch vorhanden, sie befanden sich aber in desolatem Zustand. Dem Pferd und den Böcken waren die Lederbezüge abgezogen worden, die vielen Seile des Rundlaufes hatte man abgeschnitten, er wurde nie wieder hergestellt. Und der dicke Kanonenofen in der nordwestlichen Ecke stand noch da, völlig überflüssig, denn es fehlte an Brennstoff.

Ungeachtet der widrigen Umstände fanden sich schon im Sommer 1945 die ersten Turner in der Halle ein. Sie klaubten die Glasscherben aus der Sägespäne heraus, machten die Mechanik der Klein- und Großgeräte gängig und verschlossen die offenen Fensterlöcher notdürftig mit Pappe. Damit konnten natürlich winterliche Minusgrade in der Halle nicht verhindert werden. Es wurde dick vermummt geturnt, wenn man nicht am Gerät war, wurden Handschuhe angezogen.

Bereits 1946 hatten sich so viele Turner und Leichtathleten im TSV zusammengefunden, dass wir am 8. September 1946 die erste Vereinsmeisterschaft durchführen konnten. Noch früher, am 21. und 22. August hatte der Sportverein "Sportfreunde" in Salzgitter zu seinem ersten Turn- und Sportfesteingeladen. Und daran nahmen auch Turner und Sportler aus Schöppenstedt teil.

Wilhelm Herbst und Fritz Belling bauten in den nächsten Jahren leistungsstarke Turnriegen auf. Der TSV Schöppenstedt war weit über die Grenzen des Turnbezirks Braunschweig hinaus bekannt. Die Männer- und Frauenriege sorgten bei vielen örtlichen und regionalen Veranstaltungen für turnerische Höhepunkte. Ganz natürlich gehörten viele von uns auch zu den Turnkreis- und Turnbezirksriegen, die überregionale Wettkämpfe bestritten und Wolfenbüttel bzw. Braunschweig repräsentierten. Schließlich nahmen TSV-Turner erfolgreich an Vereins-, Landes- und Deutschen Turnfesten teil.

Um diesen Leistungsstand erreichen und halten zu können, trainierten wir dreimal wöchentlich. jeweils dienstags und freitags von 20.00-22.00 Uhr und an den Sonntagen von 9.00-12.00 Uhr fanden sich Frauen, Männer und leistungsstarke Jugendliche in der Halle ein. Ebenfalls dienstags und donnerstags fand das Kinderturnen statt. Die überaus zahlreichen Jungen und Mädchen wurden von vielen Übungsleitern betreut, einer von ihnen war Walter Rabe, Dieser Turner gab sein Wissen und Können bis ins hohe Alter an die Kinder weiter.

Um 1952 herum begann die Modernisierung unserer Turnhalle. Die Buchenlohe wurde entfernt, ein fester, pflegeleichter und Unfällen Vorschub leistender Fußboden wurde installiert (die Turner fanden ihn anfangs gar nicht gut). Alle defekten Geräte hatte man inzwischen repariert, neue Kleingerätewaren angeschafft, wir erhielten einen gebrauchten, fahrbaren Barren.

In den folgenden Jahren verbesserten mehrere An- und Umbauten die hygienische räumliche Situation in der Halle. Immer mehr Sparten und Abteilungen beantragten und erhielten Anteile an der Hallennutzung. Die Turner behielten noch ihre "angestammten" Plätze und Zeiten.

1973 erbaute die Samtgemeinde Schöppenstedt eine neue, moderne Großraumhalle. Vereine und Sportgruppen aus der Samtgemeinde beanspruchten Hallenzeiten. Noch besaßen die Turner ihre Übungsstunden. Allerdings teilten wir uns bald die Halle am Sonntag mit einer Volleyballgruppe, denn Beteiligung im Erwachsenen- und Jugendbereich wurde merklich schwächer. Kinder dagegen kamen nach wie vor sehr zahlreich zum Turnen. Es bereitete schon damals Schwierigkeiten, die erforderlichen Vorturner und Übungsleiter zu finden.

Starke Veränderungen

1974 wurde die Handballabteilung gegründet. Das bedeutete eine einschneidende Änderung in der Verteilung der Hallenzeiten. Wir verloren die so wichtigen sonntäglichen Hallenstunden, Turner und Turnerinnen mussten sich jetzt die Halle an einem Abend teilen. Dank des Trennvorhanges lösten wir dieses Problem zufriedenstellend. Leistungsstarke Frauen und jugendliche turnten zusammen mit den Männern, andere pflegten mehr die Gymnastik und die Turnspiele. Das war der Beginn der heutigen Damen-Gymnastikgruppe.

Vor zwanzig Jahren führte eine turnerische Werbekampagne anlässlich eines Straßenfestes im Baugebiet "Am Sandberg" zu einer unerwartet großen Teilnehmerzahl. Über längere Zeit hinweg nahmen 20 und mehr Frauen und Männer an den abendlichen Übungsstundenteil.

Weil aber nur wenige von ihnen "gelernte" Turner/innen waren, verlagerten sich die Aktivitäten mehr und mehr in Richtung Turnspiele. Daraus entwickelte sich eine Volleyballgruppe, die regelmäßig und erfolgreich an den Rundenspielen der Volleyball-Freizeitliga des Kreises Wolfenbüttel teilnimmt. An ihre Herkunft erinnert noch das Mannschaftskürzel TSV TG. Das TG bedeutet Turnergruppe.

Aktiv im Sinne des Deutschen Turnerbundes sind unsere Kinder. Eingeteilt nach Altersgruppen beginnen die Kleinsten in der Mutter-und-Kind Gruppe. Ausgebildete und ehrenamtliche Übungsleiter leiten die weiteren Riegen. Sie sind in jeder Woche pünktlich in der Halle, sie vermitteln den Jungen und Mädchen z.B. die Übungen für die Kinderturnfeste und bereiten mit ihnen und miteinander das beliebte Weihnachts-Schauturnen vor. Sie waren und sind die Stützen unserer Turnabteilung und sie machten und machen sich in besonderer Weise verdient um den TSV Schöppenstedt.

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