Turner als Feuerwehr

Die Schar der Anhänger des Turnsports wurde von Jahr zu Jahr größer, so dass im Jahre 1861 die Stadtväter eine endgültige und offizielle Gründung eines Männerturnvereines nicht mehr verhindern konnten. Bereits im Jahr 1865 wurde aus dem Kreis der Turner des MTV Schöppenstedt eine "Turnerwehr" gegründet, eine Vorgängerin der heutigen Freiwilligen Feuerwehr. Interessant ist dabei zu wissen, dass der damalige Bürgermeister der Stadt Schöppenstedt die Turner des MTV zu der Gründung dieser Turnerwehr aufgerufen hatte. Die Freiwillige Feuerwehr Schöppenstedt ist demnach aus dem Männerturnverein Schöppenstedt hervorgegangen, der wiederum der Vorgänger des heutigen TSV war.

Aus dem Jahr 1955 stammt die Aussage des Schneidermeisters Albert Herbst, der damals mit 89 Jahren der älteste Turner der Stadt Schöppenstedt war, dass anfangs die Übungsabende mangels Turnhalle oder Sportplatz im Zollgarten stattfanden, dem Kaffeegarten der Gaststätte "Zum Zoll". Als Turngeräte standen ein Reck, ein Barren und ein Pferd zur Verfügung. Für die Schwerathleten gab es zum Üben Hanteln mit 25, 50 und 75 Pfund Gewicht, für die Leichtathleten einen 33,5 Pfund schweren Stein anstelle einer Kugel. Die Turnabende wurden von 25 bis 30 jungen Turnern regelmäßig besucht.

Jährlich nahmen die Turner auch an den Elmwettkämpfen teil. Die Geräte mussten mit einem Pferdefuhrwerk zum Tetzelstein transportiert werden.

Bei der Gedenkfeier an jedem 2. September fand ein sportlicher Wettkampf auf dem Schützenplatz statt. Die ersten drei Sieger erhielten als Preis schmucke Stammschoppen in verschiedenen Größen. Auch unser schon zitierter Schneidermeister Albert Herbst hatte einmal das Glück, seinen alten Rivalen Heinrich Röpke in der Punktwertung zu überflügeln und den ersten Preis zu erringen. Bei der Preisverteilung musste er aber feststellen, dass der erste Preis gegen den zweiten ausgetauscht worden war, so dass er wiederum nur den zweiten Preisschoppen erhielt.

Nach dem Ersten Weltkrieg kaufte der MTV Ländereien neben dem nahe gelegenen Schützenplatz und richtete darauf in Eigenarbeit einen Sportplatz her, was einige junge Männer auf den Gedanken brachte, nun auch Fußball spielen zu wollen. Bei den Versammlungen gab es harte Auseinandersetzungen um die Gründung einer Fußballabteilung. Der überalterte Vorstand lehnte dieses Vorhaben aber einfach ab.

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