42 Jahre Jugendlager im TSV Schöppenstedt

Aus der Erinnerung eines Jugendlichen und späteren Lagerleiters

Die Jugendarbeit im TSV ist eng verknüpft mit der Geschichte der Jugendsommerlager von 1949 bis 1990. Der Wandel der Zeit lässt sich sehr gut an dem Wandel der Jugendsommerlager, die diese über den großen Zeitraum gemacht haben, rekonstruieren.

1949 und 1950 sind wir in Etappen durch den Harz gewandert. Jeder Teilnehmer hatte sein Gepäck im "Affen" auf dem Rücken. Zelt und Kücheneinrichtung wurden in einem Handwagen transportiert (die jeweiligen Handwagenzieher durften ihren "Affen" auf den Handwagen legen). So ging es jeden Tag bis zu 12 km von Station zu Station. Der Kosten wurde damals von den Jugendlichen überwiegend durch Erbsenpflücken aufgebracht.

1951 und 1952 wurde das Zeltlager am Steinhuder Meer (Weißenstein) aufgeschlagen. Erstmals nahmen Jungen und Mädchen am Lager teil. Als Toilettenanlagen wurden 2 sogenannte "Donnerbalken" zwischen Bäumen errichtet.

Nach dieser zweijährigen Zwischenstation ging es ab 1953 immer auf den Priwall in Travemünde. In den beiden ersten Jahren standen unsere Zelte (noch sehr primitiv) im Sand direkt an der Zonengrenze. "Schön" wurde es immer bei Regenwetter. Dann lockerten sich die Heringe im Sand und die Zelte fielen langsam aber sicher zusammen. Auch beim Essen knirschte es mächtig zwischen den Zähnen.

Zweite Heimat

Die Suche nach einem anderen Zeltplatz hatte 1955 Erfolg. Der Behelfszeltplatz "Kuhle" wurde unsere zweite Heimat bis 1990. Im Anfang konnten wir noch vom Zeltplatz aus die Ostsee sehen. Die Neuanpflanzungen entwickelten sich jedoch in wenigen Jahren zu einem Wald. Unser Lager konnten wir dann mitten im Wald aufschlagen. Die Lagerteilnehmer wurden mit einem Bus hin- und zurückgefahren, während das große Lagergepäck (Zelte und Kücheneinrichtung usw.) mit der Bahn transportiert wurde. In Travemünde erfolgte die Umladung vom Bahnwaggon auf einen Tieflader, der dann auf den Zeltplatz fuhr. Im Volksmund hieß die Fuhre "Zigeunerwagen". Die Teilnehmerzahlen stiegen bis auf 130 an, so dass der Zeltplatz lückenlos ausgefüllt war.

Die Zahlen gingen mit dem zunehmenden Wohlstand langsam aber sicher zurück. Flugreisen zogen mehr als ein Zeltlagerleben. Die Organisation wurde geändert: In einem Container der Firma Fricke kam das Gepäck direkt auf den Zeltplatz.

Die Vorschriften der Gesundheitsbehörde erschwerten zunehmend die Durchführung eines Lagers. Ein eigener Toilettenwagen musste aufgestellt werden, ein Waschzelt wurde Vorschrift usw. usw. In Eigenarbeit haben die Lagerteilnehmer zusätzlich Wasserleitung und Schmutzwasserabflüsse verlegt. Eine weitere Verbesserung konnte gemeldet werden: Wir hatten eine Warmwasserdusche! Mit diesen Maßnahmen konnten wir die Behörden, immer wieder überzeugen.
Als Betreuer hatte sich in den letzten 10 - 20 Jahren ein fester Stamm gebildet, der zuerst mit den eigenen Kindern und später auch mit den Enkelkindern am Lager teilnahm.

Unvergessen wird für die Lagerteilnehmer die große Sturmflut an der Ostseeküste 1989, die wir hautnah miterlebten, bleiben. Auch die Sturmnacht 1990 (unsere letzte Nacht auf dem Priwall), die zahlreiche Zelt- und Wohnwagenplätze verwüstete, setzte uns in Angst und Schrecken. Wir sind dabei ohne großen Schaden davon gekommen.

Mit dem Zeltlager 1990 ging diese Tradition des TSV leider zu Ende, da der letzte Lagerleiter aus gesundheitlichen Gründen die Lagerleitung aufgeben musste. Ein Nachfolger konnte nicht gefunden werden.

Zum Schluss noch einmal einen herzlichen Dank an alle Verantwortlichen und Betreuer der Jugendsommerlager, die ihren Jahresurlaub geopfert haben und ehrenamtlich tätig waren.

Klaus Gödecke

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